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Es war einmal...
...ein ganz normaler Samstag, im Juni anno 2008, als ich nach einer langen, arbeitsintensiven Woche, wie gewohnt meine Einkäufe für das kommende Wochenende tätigte. Ich befand mich in der Molkereiabteilung - ein langer Komplex, mit einem Hauptgang und vielen Nebengängen, wo sich die Regale mit den Produkten befanden. Ich stand an einem Ende eines Käseregals, das in den Hauptgang endete und sah aus den Augenwinkeln ein Ehepaar durch den Hauptgang Gehen. Mir fiel auf, dass sie beide viel älter wirkten als sie waren und das ihre Kleidung aus einem derben Leinenstoff gefertigt war - zwar modern, aber dieser Stoff passte da irgendwie nicht zu. „Seltsam“, dachte ich nur und wollte mich schon wieder weiter meinem Einkauf widmen, da jedoch drehte sich der Mann des besagten Paares um und schaute mich intensiv an.
Was dann geschah, lässt sich nur sehr schwer beschreiben, den von einem auf den anderen Augenblick trug ich ein langes, dunkelgrünes Kleid, ein Amulett, das aus einer Rose und einem Schiff bestand. Ich hielt in meiner rechten Hand eine Fackel und schleuste sieben Menschen – allesamt Spielleute - durch einen aus Stein gehauenen, feuchten und langen Gang, der am Ende einen mannshohen Spalt aufwies und ihnen zur Flucht verhalf. Ich hörte weiterhin schnelle Schritte hinter mir, Rufe und metallisches Klirren, als auch der letzte Spielmann sich umdrehte, meine linke Hand ergriff, feste drückte und sich vor mir verbeugte, bevor auch er in der Nacht verschwand. Ich starrte ihm nach und drehte mich erst um, als die Burgwachen direkt hinter mir standen und der Hauptmann sein Schwert zog…
Rumms .. genauso schnell wie die Vergangenheit mich eingeholt hatte, hatte mich die Gegenwart wieder zurück. Ich stand am anderen Ende des Regals, hielt mich dort fest, hatte massiv das Gefühl nach vorn zu fallen, war total durcheinander und konnte meinen Einkaufswagen am anderen Ende des Regals ausmachen und mit dem Kopf nur nicken, als eine besorgte Verkäuferin mich fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich war massiv verunsichert, doch als ich meinen Kopf hob und in den Hauptgang schaute, stand dort wieder der Mann des besagten Paares, lächelte und hob wissend seine linke Hand - und verschwand.
Ich floh aus dem Laden, machte mich auf den Weg nach Hause und fragte mich dabei die ganze Zeit, ob ich nicht wirklich dringend Urlaub bräuchte und warum mir so etwas passiert ist? Ich stellte gleichzeitig fest, dass mir das niemand glauben würde und versuchte mich damit zu beruhigen, dass ja alles im Leben erklärbar sei… Als ich die Auffahrt zu unserem damaligen Haus hochfuhr, war ich mir darüber sicher, dass eigentlich gar nichts sicher ist, nur kam ich zu keiner Antwort auf die Frage, ob das immer schon so gewesen war oder erst seit einer Stunde. Meine Tochter war zu Hause und ich erzählte ihr davon, doch sie meinte, dass ich doch wohl wirklich sehr abgespannt sei und ich beschloss, dieses Erlebnis erst einmal für mich zu behalten. Aber es ließ mich nicht los, ständig hatte ich den Blick des Spielmannes vor Augen und ich konnte den Geruch des Ganges wahrnehmen und es kam mir auch so vor, als ob sich die Stimmung in unserem Hause ebenfalls gewandelt hätte.
Am Abend des gleichen Tages teilte mir mein Mann mit, das er sich in jemand anderes verliebt hätte und das es für uns keine gemeinsame Lebensbasis mehr gebe - und da wusste ich, das sich mein ganzes Leben verändert hatte. Meine Tochter und ich zogen in ein kleine Wohnung. Sie ist dem Metal in vielen Formen sehr zugetan und hört oft laut Musik, was mich nicht störte. Ich lese lieber, als Musik zu hören, doch an einem Samstag beschlossen wir beide uns etwas beim Chinesen zu bestellen und vor dem TV-Gerät bei einer guten Konzert-DVD zu chillen. Wir hatten das Essen alsbald vor uns, es uns auf der Couch gemütlich gemacht und meine Tochter startete die erste DVD aus ihrer Musik-Sammlung und beim ersten Schnitt auf die siebenköpfige Band ließ ich meinen Becher mit dem Essen und meine Stäbchen fallen. Ich konnte es nicht glauben, es waren die Spielleute gewesen, die da auf der Bühne standen ... und die an einem Samstag im Juni durch einen Spalt fliehen mussten…
„Mum! Ab und zu hast du von denen schon bei mir etwas gehört! Du wirkst wie ein Teenie, so wie Du auf den Fernseher starrst! Haben die dich so umgehauen, das du dein Essen hast fallen lassen?“
Ich habe meiner Tochter nicht geantwortet, ich habe lieber versucht den Boden vom Reis zu befreien, jedoch rasten meine Gedanken durch den Kopf. Es war sicher richtig, dass ich von ihnen schon mal ein Lied bei meiner Tochter gehört hatte, aber gesehen habe ich sie an diesem Abend zum zweiten Mal in meinem Leben! Und wieder hatte ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich konnte es mir nicht erklären, wie sollte ich es nun meiner Tochter erklären? Stattdessen, erklärte ich nur knapp, dass mein Becher so fettig gewesen wäre und deshalb aus meiner Hand gerutscht wäre und ging nach einer halben Stunde, unter dem Vorwand von Kopfschmerzen, ins Bett. Und dabei tobte in mir ein Kampf zwischen Realität und Erlebtem, wie ich es meiner Tochter nicht hätte erklären können.
Inzwischen wohnt meine Tochter in der Nähe ihrer Uni und ich habe mich nach Sylt versetzen lassen. Ich schaue mir immer wieder die Konzert-DVDs der besagten Band an, lese nach und versuche für mich immer noch herauszufinden, warum das geschehen ist, warum mir das geschehen ist und warum seit diesem Tag im Juni sich mein Leben so sehr verändert hat. Ich werde im Dezember noch an einem Akustik-Konzert dieser Band teilnehmen und versuchen so Antworten auf meine Fragen zu finden. Ich halte Euch auf dem Laufenden! Ansonsten geschieht im Leben nichts ohne Sinn und vielleicht erfahre ich so den Sinn meines Lebens.
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