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FSK und Metallica?
Sie sieht von ihrer Zeitschrift auf und schaut auf das eingerahmte Autogramm, das auf dem kleinen Beitischchen steht: „For the best Mum ever“ steht über den Unterschriften der Bandmitglieder - ein Geschenk ihrer Tochter. Noch einmal las sie den Artikel durch, der sie so sehr beschäftigte. „Flippig oder peinlich?“ lautet seine Überschrift und handelt von dem Miteinander von Töchtern und Müttern - gerade dann, wenn sich die Interessen und Lebensauffassungen der beiden kaum unterscheiden und wenn Mütter sich weigern, sich ihrem Alter anzupassen und nach der Erziehungszeit die Welt der Jugend für sich neu entdecken. Dieses Problem gibt es nicht zwischen ihrer Tochter und ihrerseits, denn sie galten als Schwestern, wenn sie beide unterwegs waren. Sie dachte an vergangene, aufregende Tage zurück - immer hatte sie ihre Tochter in ihrer Besonderheit im Rahmen dieser Gesellschaft gefördert und unterstützt, weil ihre Tochter einen Weg aufwies, mit ihrer Selbst, ihrer Persönlichkeit, ihrer Kreativität, ihrer Musik und auch ihrer Kleidung sich nie anpassen zu müssen, vielmehr selbst kritischen Zeitgenossen einen lehrreichen Blick in ihre Welt gewährte und somit einen immer umfassenderen Freundeskreis an sich binden konnte. Bei der Übergabe des Abiturzeugnisses brannte tosender Beifall auf als sie aufgerufen wurde und das die komplette Familie sich kleidungstechnisch auf dem Abi-Ball sich ihrer angepasst hatte, rief keine Fragen hervor.
„Meine Leuts finden Dich toll, Mum und ich Dich auch! Habe Dich lieeeeeeeeb!“, hörte sie zu vielen Gelegenheiten, zumal jeder mit Stolz und mit Selbstbewusstsein den anderen in sein Leben mit einbezog - gerade auch als ihre Tochter die Liebe ihres Lebens fand und ihre eigene Liebe des Lebens zerbrochen war. Kunst, Musik, Kleidung, Lebensauffassung - nur selten taten sich zwischen ihnen Unterschiede auf und selten hatte sie sich eigentlich so sehr selbst erfahren können wie in den letzten Monaten. Dazu gehörte aber auch, dass sie genauso um Anerkennung kämpfen musste wie einst ihre Tochter.
„Je oller - je doller!“ „Sie suchen die CD-Abteilung ? Den Schlager finden Sie hinten rechts!“ „Tausche mal deine Konzertkarte um - Mario Barth wäre doch toll! Dann komme ich mit, aber zu denen?“ „Lass mal lieber!“ „Wechseln Sie mal die Musikrichtung in Ihrem Player, dann können sie auch im Auto laut Musik hören ohne den Verkehr zu behindern!“
Sie wusste, dass ihre Generation kein Spielraum zuließ Chancen zu nutzen, sich selbst zu verwirklichen, weil ihre Zeitgenossen die Gewohnheit gleich Sicherheit über persönliches Glück und Selbstverwirklichung stellten und Veränderung möglich zu machen, nur der Jugend zu schrieb.
F(reiwillige) S(elbst) K(ontrolle) und Metalica ?
Nein, danke! Sie startete den DVD-Player, schob den Lautstärkeregler nach oben und mit einem Lächeln und fühlbarer Lebensfreude kuschelt sie sich in die Kissen ihrer räudigen, heimeligen Pferdedecke… „Ich habe Dich auch lieb, Töchterchen!“, dachte sie und lies sich von der Musik fortziehen
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