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In Extremo Live 2010
11.09.2010
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Wünsch dir was


Nach fünf Stunden Arbeit in der herbstlichen Witterung, fiel ihr Blick müde auf ihre Armbanduhr. Sie blickte auf die Reste ihres noch zu erledigenden Tagespensums, seufzte tief und stieg aus dem Lieferwagen. Es dämmerte schon und sie hatte Mühe, die entsprechende Ware für den nächsten Kunden in den Tiefen des Lieferwagens zu finden. Fröstelnd durchschritt sie die Gartenpforte der angegebenen Adresse und suchte mit ihren Augen die Hausfront nach der Haustür ab, damit sie die Ware ordnungsgemäß zustellen konnte. Da sie nicht fündig wurde, ging sie suchend einige Schritte auf dem vor ihr liegenden Gartenweg
entlang und steuerte auf ein großes, leicht geöffnetes Fenster zu. Tiefe, warme Klaviertöne fanden den Weg durch das Fenster zu ihr und zogen sie magisch an.

Neugierig schaute sie ins Wohnzimmer. Sie hatte das Gefühl, dass die Musik die Kälte aus ihrem Körper zu vertreiben schien und blieb fasziniert am Fenster stehen. Viele Kerzen und ein lodernder Kamin tauchten den Raum in eine Mischung aus Gemütlichkeit und Heimeligkeit. Viele Bücher, Familienfotos, eine einladende große Couch, ein großer Schreibtisch, das Klavier und die ungeordnete Ordnung zeugten von den Bewohnern des Hauses und deren positivem Lebensgefühl. Aus den hinteren Räumen des Hauses hörte sie näherkommendes Lachen und sie beschloss ihre Suche nach der Haustür wieder aufzunehmen. Sie schenkte den Tassen mit dem warmen, dampfenden Tee auf dem Kaminsims einen letzten, wehmütigen Blick.

Alsbald erklang diese eine Melodie auf dem Klavier und sie blieb stehen, um der Musik erneut zu lauschen. Sie dachte daran, dass sie sich auf dieser Insel sehr wohlfühlte, dass sie in drei Wochen hier endlich eine neue Wohnung beziehen konnte und dass sie sich beruflich noch einmal verändern musste. Nicht materieller Neid war in ihr erwacht, als sie gerade durch das Fenster in ein anderes Leben geschaut hatte, sondern die Sehnsucht nach dem Glück, jeden Tag mit einem anderen Menschen in Zuneigung ausklingen lassen zu können.

Viele Lehren hatte sie aus den letzten Jahren, für sich ausmachen können, doch erst jetzt konnte sie sich selber eingestehen, was sie so sehr vermisste - einen Menschen, einen Freund für das ganze Leben, für immer. Sie wusste in diesem Augenblick, dass Träume und Wünsche der Garant dafür waren, dass man all die Dinge die man für unerreichbar hielt, durch Mut und
Zuversicht erreichen konnte und das ein jeder Mensch eine Chance auf sein ganz persönliches Glück hat. Sie beendete ihren Auslieferungsauftrag ordnungsgemäß, eilte zu ihrem Lieferwagen
und starte, leise das Klavierstück summend, den Motor um ihren Feierabend entgegen zu fahren.

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